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NDR Kultur - Das Gespräch

NDR (Germany)

Bei "Das Gespräch" kommen Menschen zu Wort, die Stellung beziehen und Positionen vertreten: kulturell oder gesellschaftlich, kenntnisreich, vielfältig und nicht selten provokant. Mal sind sie prominent und in aller Munde, mal ausgewiesene Experten auf ihrem Gebiet. Gemein ist ihnen allen, dass sie Inspirierendes zu sagen haben zu den Themen unserer Zeit - und oft auch sehr Persönliches. Wir stellen drängende Fragen und rollen nicht einfach den roten Teppich aus.

Location:

Hamburg, Germany

Networks:

NDR (Germany)

Description:

Bei "Das Gespräch" kommen Menschen zu Wort, die Stellung beziehen und Positionen vertreten: kulturell oder gesellschaftlich, kenntnisreich, vielfältig und nicht selten provokant. Mal sind sie prominent und in aller Munde, mal ausgewiesene Experten auf ihrem Gebiet. Gemein ist ihnen allen, dass sie Inspirierendes zu sagen haben zu den Themen unserer Zeit - und oft auch sehr Persönliches. Wir stellen drängende Fragen und rollen nicht einfach den roten Teppich aus.

Language:

German


Episodes
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Wie er wurde, was er ist: Ronald Zehrfeld - jetzt in „Zwei zu Eins“

7/20/2024
Einst träumte der ehemalige DDR-Jugendmeister im Judo von der Teilnahme an Olympischen Spielen. Aber dann kam die Wende und damit das Aus eines Traums und der Anfang einer „Narrenfreien Zeit“ für ihn. 1990 – in eben jener Zeit – spielt sein neuer Kinofilm „Zwei zu Eins“, der am 25. Juli im Kino startet. Ronald Zehrfeld verkörpert darin neben Sandra Hüller und Max Riemelt einen Teil des Trios, das nach dem Mauerfall Millionen zufällig eingelagerter Ostmark findet und – nicht ganz legal – versucht, sie zum titelgebenden Verhältnis „Zwei zu Eins“ umzutauschen. Im Gespräch mit Filmexpertin Bettina Peulecke erzählt der unter anderem mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete Zehrfeld, warum er Schauspieler geworden ist und dafür sein Politik- und Literaturwissenschaftsstudium geschmissen hat, welche Verantwortung er seinem Berufsstand zuschreibt, und was ihn am Ende eines Tages zum Lächeln bringt.

Duration:00:25:46

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Wie er wurde, was er ist: Ronald Zehrfeld - jetzt in "Zwei zu Eins"

7/20/2024
"Die Geschwindigkeit der Abwicklung eines ganzen Staates" hat den gebürtigen Ost-Berliner Ronald Zehrfeld "echt überrascht".

Duration:00:25:46

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Mythos "Stauffenberg-Attentat" - ein Gespräch mit Ruth Hoffmann

7/14/2024
"Der 20. Juli hat einfach schon sehr früh dafür herhalten müssen, zu zeigen, dass nicht alle Deutschen Nazis gewesen sind. Insbesondere in der Wehrmacht hat es auch Offiziere gegeben, die bereit gewesen sind, gegen Hitler aufzustehen." Für die Journalistin und Buchautorin Ruth Hoffmann dient das missglückte Attentat von Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Sommer 1944 in der Wolfsschanze bis heute als "das deutsche Alibi". In ihrem gleichnamigen, für den Deutschen Sachbuchpreis nominierten Buch zeigt sie, wie das Attentat nach 1945 immer wieder politisch instrumentalisiert wurde: von Konrad Adenauer bei der Gründung der Bundeswehr, im Kalten Krieg als Symbol des nicht-kommunistischen Widerstands gegen das Nazi-Regime, in jüngster Zeit durch die Neue Rechte, die Stauffenberg als Vorbild für den militanten Aufstand gegen ein verhasstes System verehrt. Im Gespräch mit Jürgen Deppe richtet Ruth Hoffmann den Scheinwerfer auf die bislang weitgehend unterbelichtete Nachgeschichte des Stauffenberg-Attentats, wie sie verklärt wurde und politisch genutzt wird.

Duration:00:25:53

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Wokeness, Political Correctness, Sensitivity Reading: "Alles Zensur!"

6/30/2024
Was darf heutzutage noch gesagt oder geschrieben werden? Und was nicht? Darüber wird an Stammtischen wie Unis gleichermaßen heftig gestritten. Wie geht zum Beispiel geschlechtergerechte Sprache? Mit Gendersternchen und Sprechpause? Oder reicht das generische Maskulin? Darf man das N-Wort oder andere missliebige Wörter noch benutzen? Oder müssen Bücher - auch alte - davon bereinigt werden? Die Altphilologin Melanie Möller von der FU Berlin ärgert der Anspruch auf politische Korrektheit der Literatur so sehr, dass sie sich nun mit ihrem Buch "Der entmündigte Leser. Für die Freiheit der Literatur" einsetzt. "Ein Gespenst geht um im Literaturbetrieb," konstatiert sie. Es trage viele, meist englische Namen: "Dazu gehören 'Cancel culture', 'wokeness', 'political correctness' oder 'sensitivity reading'. Früher einmal hörte es auf den schlichten Namen Zensur." Im Gespräch mit Jürgen Deppe betont Melanie Möller, dass Leserinnen und Leser auch derbe Darstellungen ohne sogenannte "Triggerwarnungen" aushalten und Literatur einfach ästhetisch genießen würden.

Duration:00:25:40

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"Wir haben eine Verantwortung, uns mit dem Kolonialismus auseinanderzusetzen"

6/16/2024
Der Verlust von Heimat und die Einsamkeit des Lebens zwischen den Welten, das sind die großen Themen, die Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah in seinen Romanen behandelt. Themen, die auch mit seiner Biografie verbunden sind: Gurnah ist als Jugendlicher von Sansibar nach England geflohen. In seinem gerade auf Deutsch erschienenen Roman „Das versteinerte Herz“ erzählt er vom Schicksal des jungen Salim, der eine ganz ähnliche Reise durchlebt. Im Gespräch mit Jan Ehlert erinnert sich Gurnah daran, was ihm selbst damals Kraft gegeben hat und wie es vor allem die Literatur war, die ihm half, sich in seiner neuen Heimat zurechtzufinden. Auch bei der Aufarbeitung der Zeit des Kolonialismus hofft Gurnah auf die Literatur. Hier müssten neue, andere Geschichten erzählt werden, die die Perspektive der Unterdrückten einnehmen: „Wir haben eine Verantwortung, uns mit dieser Zeit auseinanderzusetzen. Etwas darüber wissen zu wollen ist dabei nur der erste Schritt. Aber es ist ein sehr wichtiger Schritt.“

Duration:00:25:55

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Thomas Hitzlsperger: "Sport und Politik gehören immer zusammen!"

6/9/2024
„Mut zu proben heißt ja nicht, etwas Waghalsiges zu riskieren, sondern die Komfortzone zu verlassen.“ 2014 outete sich der populäre Ex-Profi, Vize-Europameister und WM-Dritte Thomas Hitzlsperger kurz nach seinem Karriereende als homosexuell. Auf der Leipziger Buchmesse 2024 berichtete er im Gespräch mit Alexander Solloch von den „Mutproben“ in seinem Leben: „Sich im Jahr 2014 als homosexuell zu outen, war nicht lebensbedrohlich. Definitiv nicht hier in Deutschland.“ Ihm sei aber bewusst gewesen, dass es immer noch Leute gebe, die Angst davor hätten, sich zu einer Minderheit zu bekennen. Diese Menschen wolle er ermutigen, sich ebenfalls nicht zu verstecken. Parallel zu seiner Fußballkarriere wurde Thomas Hitzlsperger – außergewöhnlich in seinem Metier – zum Bücherliebhaber und Leser. Zusammen mit dem Sportjournalisten Holger Gertz hat er nun das Buch „Mutproben“ veröffentlicht – die Schilderung seines Lebenswegs von der bayrischen Provinz bis in die höchsten europäischen Fußballligen. Oft genug habe er dabei gedacht: „Ich riskiere etwas, auch auf die Gefahr hin, dass ich scheitere. Aber wenn es klappt, ist es umso schöner.“

Duration:00:25:57

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Dialog über Deutschland - Disput von Grass und Walser

6/2/2024
Vor 30 Jahren stritten sich die Großschriftsteller auf Einladung von Stephan Lohr über Deutschland und die Einheit.

Duration:01:26:19

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Diversity Day: Ninia LaGrande im Gespräch über Inklusion

5/25/2024
Wenn Ninia LaGrande von „allen Menschen“ spricht, gehören für sie selbstverständlich auch Menschen mit Behinderung dazu. Und das nicht nur am „Diversity Day“, dem „Tag der Vielfalt“. In Deutschland existiere aber nach wie vor ein trennendes System, sagt die engagierte Moderatorin und Podcasterin: Menschen mit Behinderung wohnten in eigenen Einrichtungen, gingen auf Förderschulen, arbeiteten für sehr wenig Geld in Werkstätten. Es sei ein System, das von einigen Playern aufrechterhalten werde, weil es für sie finanziell lukrativ sei. Um echte Inklusion zu ermöglichen, müssten gesetzliche Regelungen her, fordert Ninia LaGrande. Sie weiß: Andere Länder wie Großbritannien oder die USA sind da viel weiter: „Deutschland ist beim Thema Inklusion steckengeblieben.“ Im Gespräch mit Andrea Schwyzer erzählt die Hannoveranerin von unbefriedigenden Therapiemöglichkeiten für Menschen mit Behinderung, der Herausforderung alle Kinder gemeinsam zu beschulen und von ihren persönlichen Erfahrungen als kleinwüchsige Frau. Inklusion gehe uns alle etwas an, sagt LaGrande. Früher oder später könnte schließlich jede oder jeder betroffen sein. Denn nur rund vier Prozent aller Behinderungen seien angeboren.

Duration:00:26:03

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75 Jahre Bilderrepublik Deutschland – Gerhard Paul im Gespräch

5/19/2024
„Das 20. Jahrhundert – im Grunde eine Geschichte der Mediengesellschaft – ist ohne Bilder, ohne Film, ohne Fernsehen und heute auch Internet letztlich nicht zu verstehen,“ erläutert der Flensburger Historiker Gerhard Paul. In seinem voluminösen Text-Bildband „Die Bundesrepublik“ breitet er zu deren 75stem Geburtstag am 23. Mai „eine visuelle Geschichte“ der Bundesrepublik aus – einen breiten Bilderbogen vom sachlichen Schwarz-Weiß der Nachkriegsjahre über die grellbunten Magazine der Wirtschaftswunderzeit bis zu den dauerbewegten Bildern im Fernsehen und Internet heutiger Tage. Wie wird die Bundesrepublik im Laufe der Jahrzehnte dargestellt? Und wie stellt sie sich selbst dar? Was gibt sie für ein Bild ab? Und welches gibt sie vor? Ist Schwarz-Rot-Gold durch den Regenbogen abgelöst? Und repräsentiert die bunte Republik wirklich die Bundesrepublik? Gerhard Paul, ein Hauptvertreter der Visual History in Deutschland, beschäftigt sich dabei sowohl mit der Visualität von Geschichte als auch mit der Historizität des Visuellen. Im Gespräch mit Jürgen Deppe führt er die Geschichte der Bundesrepublik mit einem besonderen Blick vor Augen.

Duration:00:25:51

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Mutter-schafft (in der) Kunst – Gespräch mit Larissa Kikol

5/12/2024
Das Bild der Mutter hat Künstler seit jeher inspiriert. Die Fruchtbarkeitsgöttin, die Heilige, das Opfer – prägten lange unser Bild der Mutter. Aber welche Darstellungen von Mutterschaft zeigt die zeitgenössische Kunst jenseits dieser Klischees? Und wie steht es um die Mutter als Kunstschaffende? Warum haben so wenige erfolgreiche Künstlerinnen Kinder? Wie gut lassen sich Kunst und Mutterschaft vereinbaren? Mit diesen Fragen befasst sich die Kunstkritikerin Larissa Kikol in „Mutter-schafft“, dem aktuellen Themenband des Kunstforum International. Mutterschaft sei ein Tabuthema im Kunstbetrieb, das es zu brechen gelte, konstatiert Kikol. Alexandra Friedrich spricht mit der engagierten Kunstexpertin über „Mumfluencer“ und das Kindliche in der Kunst, über strukturelle Benachteiligung und das Verhältnis von Feminismus und Mutterschaft.

Duration:00:26:03

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Nationalmannschaft = deutsch? Gespräch mit Tuğsal Moğul

5/5/2024
„Fußball – man sagt immer, es sei die wichtigste Nebensache der Welt – verkörpert ganz viel, was unsere Gesellschaft auch darstellt und auch die Veränderungen in unserer Gesellschaft,“ findet Fußball-Fan und Dokumentartheatermacher Tuğsal Moğul. Deshalb hat er elf ehemalige und aktuelle Spielerinnen und -spieler nach ihrem Verhältnis zur Nationalmannschaft gefragt: Wie ist es für „Deutschland“ aufzulaufen, die Nationalhymne zu hören, in einem schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer zu stehen? Das sehen etwa Erwin Kostedde, erster afro-deutscher Spieler im Nationaldress, oder Lothar Krubjuweit, 1974 DDR-Auswahlspieler beim 1:0-Sieg über die BRD, natürlich ganz anders als etwa heutzutage Merle Frohms, Nationaltorhüterin der Frauen. Nach Dokumentartheaterstücken über den Alltag in deutschen Krankenhäusern und das Attentat von Hanau stellt Moğul nun das fußballerische Deutschsein ins Rampenlicht. Im Gespräch mit Jürgen Deppe erläutert er, warum er Schwarz-Rot-Gold nicht Corona-Leugnern und PEGIDA-Anhängern überlassen will und via Fußball und Theater eine Utopie für ein vielfältigeres Deutschland entwickeln möchte.

Duration:00:25:47

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Den Frieden gewinnen - aller akuten Gewalt zum Trotz?

4/28/2024
„Es gab keine Zeitenwende, und es gibt sie nicht.“ Wenn Heribert Prantl das Wort nimmt, hört man von Anfang an hin. Der Journalist und Autor vertritt seine Positionen unerschrocken und mit rhetorischer Verve. Es geht ihm dabei nicht um Effekte. Nach gründlicher Überlegung und aus Überzeugung stellt er weitverbreitete, als Konsens ausgegebene Denk- und Redeweisen infrage. Er tut dies in der für ihn typischen kernigen und bildkräftigen Sprache. Ausführlich in seinem neuen Buch „Den Frieden gewinnen. Die Gewalt verlernen“ – und pointiert im Gespräch mit Ulrich Kühn auf NDR Kultur: Das Wort „kriegstüchtig“ mache ihn „allergisch“, sagt er da und erklärt: „Ich habe nichts gegen das Wort tüchtig, und ich habe auch nichts gegen das Wort Verteidigung“. Sehr wohl aber habe er etwas gegen die Verbindung von „Tüchtigkeit“ und „Krieg“: „Ein Verteidigungsminister ist nicht dann ein besonders tüchtiger Verteidigungsminister, wenn und weil er möglichst markant das Wort Krieg wagt.“ Heribert Prantl argumentiert mit doppelt geschärftem Blick. Er war nicht nur Mitglied der Chefredaktion und 25 Jahre lang Leiter der innenpolitischen Redaktion und des Meinungsressorts der Süddeutschen Zeitung. Er ist zudem promovierter Jurist und gelernter Richter und Staatsanwalt. Argumente für eine trotz allem friedfertigere Politik schöpft er aus seinen reichen politisch-historischen Kenntnissen, juristischer Expertise und intensiver Beschäftigung mit der Religion. So verweist er auf das wenig bekannte Friedensgebot des Grundgesetzes – und fordert, wiewohl selbst kein radikaler Pazifist, Respekt und Raum im Diskurs für pazifistische Gedanken.

Duration:00:25:55

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"Kant ist die Norm": Der Philosoph Manfred Geier im Gespräch

4/21/2024
Am 22. April vor 300 Jahren wurde der Philosoph Immanuel Kant im preußischen Königsberg geboren: zu jener Zeit ein Zentrum europäischen Denkens, „eine kosmopolitische Stadt“, so der Hamburger Philosoph Manfred Geier, der seit Jahrzehnten zu Werk und Denken Immanuel Kants forscht und eine vielzitierte Biografie über den Aufklärer und Begründer der modernen Philosophie geschrieben hat. Geier bezeichnet Kant in einem aktuellen Aufsatz als „die Norm“. Denn „Kant stellt den Menschen ins Zentrum der Welt als denkendes Wesen“, das sei „eine ungeheure Aufwertung menschlicher Fähigkeiten“. Ihn begeistere „die Freiheit dieses Denkers, die er sich nimmt, ohne Dogmatik, wirklich Sachen zu durchdenken, die er für wichtig hält“. Jens Büchsenmann fragt den Kant-Kenner und Biografen, wie revolutionär dessen Denken war und warum; und was Immanuel Kant für ihn, den Philosophen, ganz persönlich bedeutet; was er über die Antisemitismus-Vorwürfe sagt, und schließlich auch, was man lesen kann, um die Bedeutung dieses Begründers der modernen Philosophie zu erfassen.

Duration:00:25:53

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Machtmissbrauch an Musikhochschulen - Jan Philipp Sprick im Gespräch

4/14/2024
Mitte März hat die studentische Initiative gegen Machtmissbrauch an Musikhochschulen die Ergebnisse einer anonymen Online-Umfrage veröffentlicht. Sie enthält über 600 Erfahrungsberichte von 161 aktuellen und ehemaligen Musikstudierenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, in denen verschiedene Fälle von Grenzüberschreitungen und übergriffigem Verhalten geschildert sind. Die Bandbreite der Vorfälle aus einem Zeitraum von mehreren Jahren reicht von destruktiven Kommentaren zur Leistung der Studierenden über physische Grenzüberschreitungen bis hin zu sexuellen Übergriffen. Nach der Veröffentlichung der Umfrage hat sich der Vorstand der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen betroffen geäußert. „Die geschilderten Fälle zeigen Missstände und Handlungsbedarfe auf, die von der RKM ernstgenommen und diskutiert werden“, heißt es in einer Pressemitteilung vom 21. März. Welche Maßnahmen die Hochschule für Musik und Theater in Hamburg bereits ergriffen hat und noch ergreifen oder verstärken will, darüber haben Marcus Stäbler mit dem dortigen Präsidenten Jan Philipp Sprick gesprochen. Er sieht die Ergebnisse der Umfrage als wichtigen Impuls, um noch intensiver darüber ins Gespräch zu kommen, wie man die persönlichen Grenzen anderer Menschen besser erkennen und respektieren kann.

Duration:00:26:03

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Nico Semsrott übers EU-Parlament: "Merkwürdigster Job der Welt"

4/7/2024
Der Kabarettist Nico Semsrott, bekannt für seine schwarze Kapuze und sein trauriges Gemüt, ist an Depressionen erkrankt. Er lebt damit und spricht darüber. 2019 trat Semsrott den nach eigenem Bekunden „merkwürdigsten Job der Welt“ an. Als Abgeordneter der Satirepartei „Die Partei“ zog er ins Europaparlament in Brüssel bzw. Straßburg ein. Aber schon in dieser Pendelei zwischen den beiden Parlamentssitzen, sagt Semsrott heute, stecke alles, „was das Parlament im Kern ausmacht: Steuerverschwendung, Tragik und grober Unfug." Dabei war der deutschlandweit bekannte Kabarettist anfangs noch hellauf begeistert: „Das Europaparlament – eine hervorragende Idee. Nur in der Realität leider ein Witz, und noch dazu ein sehr schlechter.“ Nun kehrt Nico Semsrott dem EU-Parlament nach fünf Jahren desillusioniert den Rücken: „An dem Ort, an dem wir dringend auf Gerechtigkeit und Vertrauen angewiesen sind, wird Korruption nur selten bestraft, sondern meistens belohnt.“ Im Gespräch mit Sebastian Friedrich thematisiert Semsrott offen seine Depression und kritisiert den gesellschaftlichen Umgang damit. Warum er als Satiriker im EU-Parlament in der Politik fehl am Platz war, thematisiert er in seinem gerade erschienenen SPIEGEL-Bestseller und dem Bühnenprogramm „Brüssel sehen und sterben. Wie ich im Europaparlament meinen Glauben an (fast) alles verloren habe“. Seine Zeit in Brüssel will er nicht missen. Aber auch nie wiederholen.

Duration:00:32:16

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Die Bibel feministisch gelesen - Edith Löhle im Gespräch

3/31/2024
Ostern – der höchste Feiertag der katholischen Kirche: Christen feiern die Auferstehung Jesu Christi, dem „Superstar“ der Bibel. Die katholisch sozialisierte Autorin Edith Löhle feiert indes in ihrem ersten Roman diejenigen, die in der Bibel nur Statisten-Rollen bekommen haben oder gleich komplett daraus gestrichen wurden. In „Bible Bad Ass“ geht es um die verdrängten und verunglimpften Frauen der Bibelgeschichte. Alexandra Friedrich spricht mit der früheren Lifestyle-Journalistin darüber, warum sie sich heute mit Jahrtausende alten Diskriminierungsopfern der Bibelgeschichte befasst und was deren Geschichten uns für die Gegenwart erzählen.

Duration:00:26:02

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Der "Minihorror" des Alltags - Barbi Marković im Gespräch

3/24/2024
„Rasant, seriell und pop-affin“ findet die Jury Markovićs „Minihorror“ und ehrt sie mit dem Preis der Leipziger Buchmesse Man wolle Barbi Markovićs neues Buch „wie im Rausch ohne Unterbrechung an einem Stück lesen“, schwärmt die Jury des Preises der Leipziger Buchmesse über „Minihorror“. „Denn der Genuss ihrer witzigen und scheinbar so einfachen Sätze, die die absurde Fallhöhe zwischen Alltag und existenzieller Weltlage ausmessen, soll bitte nicht enden.“ Barbi Marković schreibe so „hinreißend komisch und bitterernst von unserer Gegenwart“, dass sie dafür jetzt den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie „Belletristik“ erhielt. Im Gespräch mit Maren Ahring erzählt die vor 44 Jahren in Belgrad geborene, heute in Wien lebende Schriftstellerin, was Komik und Humor für sie bedeuten, wodurch sie inspiriert ist und welche Rolle ihre Herkunft bei der Betrachtung der Gegenwart spielt.

Duration:00:25:59

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Vanessa Reinwand: Ehrenamtler sind der Kitt unserer Gesellschaft

3/17/2024
Der Kulturbetrieb braucht das Ehrenamt, sagt die Hildesheimer Professorin für kulturelle Bildung und Direktorin der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel. Es nehme "einen ganz enormen Stellenwert" ein, "gerade wenn wir auf die ganzen Vereine und Verbände schauen, die Kultur organisieren. Und das vor allem nicht nur in den Großstädten, sondern auf dem Land, in der Breite, in der Fläche." Insbesondere dort seien Kulturvereine und Soziokulturelle Zentren nicht etwa Lückenbüßer, sondern elementar wichtig: "Es macht keinen Sinn, den professionellen Kulturbetrieb gegen das Ehrenamt auszuspielen. Das eine kann nur mit andern stark sein." Allerdings litten viele Kulturvereine unter der enorm zeitfressenden Bürokratie und einer starken Überalterung. Im Gespräch mit Jürgen Deppe beschreibt Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss die Probleme von Kulturinitiativen vor Ort, zeigt aber auch Lösungsmöglichkeiten auf. Denn: "Wir können uns ja gerade in diesen Zeiten, die wir im Moment haben, nichts mehr wünschen als eine aktive Zivilgesellschaft, als aktive Bürgerinnen und Bürger, die über Kultur und unterschiedlichste Tätigkeiten ihre Wertschätzung für ein Gemeinwohl und eine Gemeinschaft zum Ausdruck bringen. […] Sie sind sowas wie der Kitt unserer Gesellschaft."

Duration:00:25:29

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Vanessa Reinwand: Ehrenamtler sind der Kitt unserer Gesellschaft

3/15/2024
Der Kulturbetrieb braucht das Ehrenamt, sagt Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, Professorin an der Uni Hildesheim und Direktorin der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel. Es nehme „einen ganz enormen Stellenwert“ ein, „gerade wenn wir auf die ganzen Vereine und Verbände schauen, die Kultur organisieren. Und das vor allem nicht nur in den Großstädten, sondern auf dem Land, in der Breite, in der Fläche.“ Insbesondere dort seien Kulturvereine und Soziokulturelle Zentren nicht etwa Lückenbüßer, sondern elementar wichtig: „Es macht keinen Sinn, den professionellen Kulturbetrieb gegen das Ehrenamt auszuspielen. Das eine kann nur mit andern stark sein.“ Allerdings litten viele Kulturvereine unter der enorm zeitfressenden Bürokratie und einer starken Überalterung. Im Gespräch mit Jürgen Deppe beschreibt Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss die Probleme von Kulturinitiativen vor Ort, zeigt aber auch Lösungsmöglichkeiten auf. Denn: „Wir können uns ja gerade in diesen Zeiten, die wir im Moment haben, nichts mehr wünschen als eine aktive Zivilgesellschaft, als aktive Bürgerinnen und Bürger, die über Kultur und unterschiedlichste Tätigkeiten ihre Wertschätzung für ein Gemeinwohl und eine Gemeinschaft zum Ausdruck bringen. […] Sie sind sowas wie der Kitt unserer Gesellschaft.“

Duration:00:25:29

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Der Namibia-Deutsche Harald Hecht im Gespräch

3/10/2024
Von 1884 bis 1915 war das heutige Namibia Kolonialgebiet des Deutschen Kaiserreichs. 1904 erhob sich die Volksgruppe der Herero gegen die Deutschen, ein Jahr später schloss sich die Volksgruppe der Nama an. Der Aufstand wurde von den deutschen Kolonialtruppen brutal niedergeschlagen, Konzentrationslager wurden errichtet, Tausende von Herero und Nama starben. Das Geschehen gilt heute als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts. Noch immer aber sind die Bemühungen um eine Versöhnung nicht erfolgreich gewesen. Ein jahrelang verhandeltes Versöhnungsabkommen stand 2021 zur Unterzeichnung bereit, doch Opferverbände der Herero und der Nama lehnen es ab, sie seien in die Verhandlungen nicht ausreichend eingebunden gewesen. Harald Hecht, Vorsitzender des „Forums deutschsprachiger Namibier“, zeigt sich dennoch zuversichtlich: „Die Versöhnungsbemühungen werden bis zu den namibischen Wahlen im November vermutlich noch nicht zu Ende gekommen sein. Aber bis September nächsten Jahres rechne ich uns gute Chancen aus.“ Harald Hechts Vorfahren waren um die Jahrhundertwende ins damalige „Deutsch-Südwestafrika“ gekommen, sein Urgroßvater war Mitglied der deutschen „Schutztruppe“, später erwarb die Familie eine Farm. Zu den fast 19.000 Objekten aus der Kolonialzeit, die noch immer in deutschen Museen und Universitätssammlungen lagern, sagt Hecht: „Natürlich müssen sie zurückgegeben werden. Bei manchen Objekten wird das noch dauern. Auf namibischer Seite müssen gewisse Rituale eingehalten, müssen Feierlichkeiten abgehalten werden, damit die Gegenstände in Würde zurückgegeben werden können.“ Das Gespräch führte Richard Klug, Auslandskorrespondent der ARD für das südliche Afrika.

Duration:00:25:58